Die immunstärkende Eigenschaft der Mistelpräparate bei Viruserkrankungen und wiederkehrenden bakteriellen Infekten.
Das Interview führte Frau Mag. Gudrun Scheib GS mit Dr. Mario Mayrhoffer MM.
MM: Unter der Behandlung mit Isorel bei Krebspatienten ist mir bald aufgefallen, das gilt übrigens auch für andere Kollegen, dass diese Patienten einen starken Schutz gegenüber Viruserkrankungen haben. Patienten die mit der Mistel therapiert werden sind weniger anfällig für banale Viruserkrankungen aber auch für eine Infektion mit Influenzavieren, Ebstein Barr Viren oder Covid-19-Viren. Wenn die Tumorpatienten dann erkranken, haben sie meistens sehr milde Verläufe.
GS: Wenn die Tumorpatienten die onkologischen Therapien erhalten, sind sie nicht empfänglicher für Virusinfekte?
MM: Ja, meistens sind sie immunsupprimiert und daher empfänglicher. In der Covid-Pandemie oder in den jährlichen Influenza-Endemien beobachteten wir ungeimpfte, immunsupprimierte Patienten die keine oder nur milde Viruserkrankungen hatten. Das finde ich sehr erstaunlich! Patienten die Mistel nach den Chemo- oder Immuntherapien erhalten, über Monate oder Jahre, berichten fast ausschließlich, dass sie ohne Infekte über die Wintermonate gekommen sind. Sie haben sich nicht infiziert, selbst wenn sie engen Kontakt mit infizierten Angehörigen hatten.
GS: Diese immunstärkende Wirkung von Mistel scheint sehr stark zu sein. Wie können sie sich das erklären?
MM: Die pharmakologischen Effekte der verschiedenen Inhaltsstoffe der Mistel, allen voran die Mistellektine, Viscotoxine und Polysaccharide, zeigen eine starke modulierende Wirkung im unspezifischen und spezifischen Immunsystem des Menschen. So werden die Fresszellen (Makrophagen) aktiviert und auch die Natural Killerzellen. Letztere haben die Eigenschaften Tumorzellen oder virusbeladene Zellen zu zerstören. Das spielt natürlich eine Rolle in der Krebsabwehr aber auch bei Virusinfekten. Die Mistel kann auch verschieden Botenstoffe des Immunsystems (Zytokine) freisetzen. Interferon Gamma spielt da eine wichtige Rolle. Interferone sind ebenso wichtig bei der Virusabwehr. So hat man eine Ratio für die Wirkung, es müsste aber noch genauer erforscht werden.
GS: Setzen sie diese immunstärkende Wirkung auch bei nicht-onkologischen Patienten ein?
MM: Ja natürlich. Das ist eine sehr dankbare Indikation der Mistel. So sind Menschen die aus beruflichen Gründen engen Kontakt mit infizierten Personen haben besonders gefährdet sich zu infizieren. Medizinisches Personal, Pädagogen, Busfahrer, fliegendes Personal, u.s.w. Aus diesen Personenkreisen haben wir immer wieder Patienten, die sich im Herbst einer Misteltherapie zur Infektprophylaxe unterziehen. Meist mit sehr guten Erfolgen. Die chronisch erschöpften Patienten haben ein labiles Immunsystem. Der hohe konstante Cortisolspiegel im Blut wirkt immunsuppressiv. Das kennt ja wohl jeder von sich selbst, dass seelischer oder physischer Stress die Empfänglichkeit für Infektionserkrankungen steigert. Bei diesen Stresspatienten sehen wir tolle immunstärkende Wirkungen.
GS: Wie sieht dann so eine Behandlung aus?
MM: Wir starten meistens im Oktober mit der Behandlung. Je nach persönlicher Verfassung und Konstitution wählen wir den Wirtsbaum. Die Mistel wächst ja auf verschiedenen Bäumen. Der Baum kann die Mistel in ihrer Wirkung differenzieren, bis in die Gestaltbildung und chemischen Zusammensetzung. Hauptsächlich verwenden wir die Mistel von der Tanne oder die Mistel von der Kiefer. Mit nur geringen Dosierungen, die bei gesunden Menschen weit unten den onkologischen Dosierungen liegen, wird einmal die Woche eine Ampulle des Präparates unter die Haut gespritzt. Das ist ähnlich wie die Anwendung von Thrombosespritzen. Die Patienten lerne das von uns und injizieren sich das Präparat dann durch den Winter bis in den März einmal pro Woche. Bei schlechterem Immunsystem zweimal die Woche.
Besonders berufstätige Menschen sind für diese“ Mistel-Kur“ sehr dankbar. Patienten mit chronischem Stess behandeln wir über 3-6 Monate, auch ein bis zweimal die Woche.
GS: Gibt es Nebenwirkungen und was muss man beachten?
MM: Erstaunlicherweise ist die Mistel sehr gut verträglich, wir haben da ein sicheres Arzneimittel zur Verfügung. Grundsätzlich kann eine Allergie auf die Mistel auftreten, die ist ab sehr selten. Ich kann ich mich nur an eine Patientin erinnern, die mit einer etwas stärkeren Reaktion allergisch reagierte. Und das bei vielen tausend Anwendungen.
An der Einstichstelle in der Haut kommt es meist zu einer sogenannten Lokalreaktion. Die wollen wir sehen, denn sie ist Ausdruck der Immunreaktion und Steuerungsinstrument für die Dosierung. Diese wird meist fälschlich als Nebenwirkung gedeutet.
Wenn die Patienten bereits Fieber haben, verzichten wir auf die Mistelinjektion, denn diese würde die Infektion verstärken. Manchmal ist das allerdings sinnvoll, wenn die Infektion nur sehr schleppend verläuft, kann man durch Isorel die Immunreaktion verstärken. Sie kennen das vielleicht, da ist man dann nicht richtig gesund und nicht richtig krank. Kann man dann mit der Mistel Fieber erzeugen, nimmt dieser Zwischenzustand einen positiven Verlauf.
GS: Nun haben sie von Virusinfektionen und deren Prophylaxe durch die Mistel gesprochen. Gilt das auch für bakterielle Infektionen?
MM: Für bakterielle Erkrankungen stehen uns ja sehr gute Antibiotika zur Verfügung. Leider sehen wir zunehmende Resistenzbildungen. Das hat neben dem unkritischen Einsatz von Antibiotika auch viel andere Gründe. Besonders im Bereich der ableitenden Harnwege kann es trotz mehrmaligem Einsatz von Antibiotika zu immer wiederkehren, sehr belastenden Infektionen kommen. Auch da hat sich die Anwendung einer Misteltherapie bewährt. Wie bei der Infektionsprophylaxe gegenüber Viren, injizieren wir ein bis zweimal die Woche unter die Haut. Meist im Bereich des Unterbauches. Dasselbe gilt auch für Patienten die an einer COPD erkrankt sind. Auch da können wir die Mistel sehr gut als Infektionsprophylaxe einsetzen.
GS: Herr Dr. Mayrhoffer, danke für die interessanten Gesichtspunkte zur Misteltherapie bei nicht-onkologischen Patienten. Was würden sie sich für die Zukunft wünschen.
MM: Ich würde mir wünschen, dass die Ärzte und Patienten ein viel stärkeres Bewusstsein für die Stärkung des Immunsystems des Menschen erlangen. Hygiene, sinnvolle Impfungen und andere sinnvolle Maßnahmen die wir ja kennen und praktizieren spielen sicher eine wichtige Rolle. Ich bin überzeugt, dass wir ärztlich noch viel erfolgreicher wären, würden wir die Immunstärkung viel ernster nehmen. Da spielt die Mistel eine ganz wichtige Rolle. Denken sie nur an die älteren Menschen und die altersbedingte zunehmende Immunschwäche.
Zweitens würde ich mir wünschen, dass die Wissenschaft das besondere Potential der Mistel als Immuntherapeutikum erkennt und dadurch „Power“ in die Forschung gelangen kann!








