Die Misteltherapie bei Krebsvorstufen
Die Behandlungserfolge bei Krebs werden durch die Errungenschaften der modernen Medizin immer besser. Trotzdem ist die Sterblichkeitsrate über alle Krebsentitäten zusammengenommen noch immer bei ca. 60 %. Entscheidend für die Ausheilung und das Überleben ist immer noch die frühe Diagnosestellung. Bei den meisten Krebsarten gibt es lange Entwicklungszeiten. Für bestimmte Tumore werden fakultative oder obligate Krebsvorstufen definiert. An der Hautoberfläche mit Lupen. Kameras mit elektronischen Mustererkennungsprogrammen oder an Schleimhäuten die gut zugänglich sind durch Darm- oder Magenspiegelung, können diese Vorstufen der Krankheit entdeckt werden. Entweder werden solche Krebsvorstufen durch einen kleinen chirurgischen Eingriff saniert (Polypenabtragung z.B.) oder die weitere Entwicklung in Sinne eines „watchfull waiting“ wird beobachtet (Veränderungen am Gebärmutterhals z.B.).
Gibt es sinnvolle Interventionen und gesundheitsstärkende Maßnahmen um die weitere Entwicklung zum aggressiven Krebs zu verhindern? Kann schon in diesem Krebsvorstadium die Misteltherapie rational angewendet werden?
Um diese Fragen zu beantworten müssen wir einen kurzen Blick auf das Stufenmodell der Entwicklungsbiologie des Tumors richten.
In der heutigen wissenschaftlichen Anschauung, geht man von einem biologischen Mehrstufenmodell der Krebsentstehung aus. In einem meist langen, über viele Jahre sich entwickelndem Prozess entsteht, für das Immunsystem des Organismus kaum erkennbar, verborgen, der aggressiv wachsende, abnormal sich vermehrende, die Immunabwehr täuschende und letztendlich die den Wirtsorganismus zerstörende Krebsgeschwulst.
Stadium 1 – Initiation: Viele Mutationen sind notwendig, dass sich am Genom einer menschlichen Zelle eine derartige Veränderung eintritt, die dazu führt, dass sich die Zelle zu einer Tumorstammzelle mutiert. Die Reparaturvorgänge der Zelle reichen nicht mehr aus, eine regelrechte Zellvermehrung und Zellwachstumsbeschränkung zu gewährleisten. Die biologischen Eigenschaften der Zellen sind dabei noch nicht wesentlich anders als die normalen Zellen, sie sehen auch gleich aus.
Stadium 2 – Promotion: In der zweiten Entwicklungsstufe sind die Zellen in ihrer Gestalt gegenüber den normalen Zellen schon verändert. Diese Stufe ist bedeutend, weil sie von vielen Faktoren positiv oder negativ verändert wird. Die Ernährung, die Hormone, körperliches Training und Bewegung, Störung des circadianen Rhythmus durch Schichtarbeit, Seelische langdauernde Belastungen und Stress zeigen ihre Wirkung an der Förderung der Krebsentstehung oder Hemmung der Krebsentstehung in diesem Stadium.
Stadium 3 – Konversion: in diesem Stadium ist bereits Krebs vorhanden (Carcinoma in situ) hat aber noch keine Möglichkeit für eine systemische Aussaat von Zellen um zB. Metastasen zu bilden. Dieser „kleinen Krebs“ findet sich in Darmpolypen, am Gebärmutterhals, u.a.m. und ist oft jahrelang im Körper unsichtbar.
Stadium 4 – Progression: Das ist der eigentliche Krebs, meist über 1 cm groß, wenn man ihn entdeckt, mit Anschluss an die Lymphgefäße und Blutgefäße. Er hat dann schon systemische Dimension, es befinden sich schon viele Tumorzellen im Blut und in anderen Organen meist aber ruhend. Leider wird der Krebs häufig erst in diesem Stadium entdeckt.
Bei genauerer Betrachtung dieser Stufenentwicklung bis zum Krebs erkennt man die Möglichkeit, hemmend auf die Entwicklung bis zur zerstörenden Stufe der Progression, der sichtbare Krebs, einzugreifen. Es sind viele Life Style Faktoren die die Tumorentwicklung beeinflussen. Man kann sich auch die Frage stellen, ob man medikamentös pharmakologisch eingreifen kann? Wenn ja, dann aber ohne einem starken Nebenwirkungsprofil. Gerade dafür bietet sich die Misteltherapie an. Nachgewiesene Wirkung am unspezifischen und spezifischen Immunsystem, tumorhemmende (Zytostatische und zytotoxische) an malignen Zellen. Das alles mit einem geringen Nebenwirkungsrisiko.
Man wird die Mistel 1-2mal in der Woche unter die Haut spritzen, über einen Zeitraum von 3- 6 Monate. Manchmal auch länger, wenn sich die Krebsvorstufen nur langsam zurückbilden oder nicht auf die Therapie reagieren. Die Auswahl des Wirtsbaumes, auf dem die Mistel wächst entscheidet der Arzt. Viele Patienten verstehen, dass es einen Sinn macht die Misteltherapie prophylaktisch in Frühstadien der Erkrankung einzusetzen.
Die langjährige klinische Erfahrung zeigt die Wirksamkeit der Mistel auch in den Frühstadien von Krebs. Es gibt kleine klinische Studien, die das bestätigen. Eine interessante Patientenkasuistik soll kurz vorgestellt werden:
Im Oktober 2022 wird eine rüstige, 82jährige Patientin am Dickdarm wegen einer über 3 cm großen Krebsgeschwulst operiert. Es wird ein Teil des Dickdarmes und des Enddarmes entfernt. Bei einer Krebsnachkontrolle im August 2023, findet sich ein breiter, den halben Umfang des aufsteigenden Dickdarmes einnehmender auffälliger Polyp, der in der Coloskopie entfernt wird. In der Gewebeuntersuchung findet sich eine Krebsvorstufe und ein kleiner Krebs. Der Onkologe will einen Großteil des aufsteigenden Dickdarmes entfernen. Die Patientin verweigert die Operation und sucht eine Alternative. Die Patientin erhält die Mistel von der Tanne, zwei mal die Woche unter die Haut injiziert. Alle Nachkontrolluntersuchungen inklusive bildgebende Verfahren und Coloskopie sind bis zum heutigen Zeitpunkunkt (10/2025)ohne pathologischen Befund. Außerdem befindet sich die Patientin in einer sehr guten körperlichen und seelischen Verfassung.
Die Ratio für den Einsatz der Mistel in diesem speziellen Fall bestand darin, die immunmodulierenden und antikanzerogen Eigenschaften für die Patientin zu nutzen, um ein Wiederauftreten des Tumors im Dickdarm oder an einer anderen Stelle zu verhindern. Eine weitere operative Entfernung eines Teiles des aufsteigenden Dickdarmes hatte wahrscheinlich zu einem Kurzdarmsyndrom geführt. Das Kurzdarmsyndrom mit seinen die Lebensqualität sehr belastenden Stuhlunregelmäßigkeiten hätten die weiteren Lebensjahre der schon im Alter fortgeschrittenen Patientin erheblich belastet.
Mistel zur Risikoreduktion um Krebs vorzubeugen
Wenn es berufliche Expositionen mit kanzerogen Einflüssen gibt, die ein höheres Krebsrisiko gegenüber der nichtexponierten Bevölkerung hat, genetische Belastungen in Krebsfamilien, Menschen mit chronischem Stress oder Schichtarbeit oder Menschen mit Nikotinkonsum, können einer Misteltherapie zugeführt werden. Bis dato gibt es nur wenig klinische Evidenz (kleine Studie bei Kindern nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl).
Es gibt im menschlichen Organismus pathologische Entwicklungen bei chronischen Entzündungen, die zu einem erhöhten Krebsrisiko führen. So können chronische Entzündungen der Speiseröhre, des Magens des Dickdarmes das Krebsrisiko deutlich erhöhen. Das gilt auch für eine chronische Leberentzündung. Auch in diesen Fällen ist zu fragen, ob eine prophylaktische Misteltherapie sinnvoll sei?
Die Ratio der Mistelwirkung zeigt auch in dieser Indikation einen sinnvollen Einsatz, neben anderen Maßnahmen, zur Vorbeugung von Krebs.








